Ausgabe 02/2023
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Ausgabe 02/2023
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Liebe Leser*innen,
da sich unser gesamtes Magazin um die kreative Arbeit mit der Sprache dreht, haben wir schon lange geplant, uns ausführlich mit den aktuellen Debatten zum Sprachwandel zu befassen. Denn auch uns erreichten in den letzten Jahren einige wenige erboste Zuschriften zum Thema „Gendern“. Dass es nur wenige blieben, erklären wir uns mit der aufgeklärten und aufgeschlossenen Grundhaltung unserer Leserschaft. Da es momentan noch keine festgelegten Rechtschreibregeln zur gendergerechten Sprache gibt, wollten wir uns erst einmal auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Debatte bringen. Unsere Autorin Jeanne Wellnitz ist eine Fachfrau für gendersensible Sprache, hat dazu ein Kompendium verfasst, hält Vorträge und Workshops zum Thema. Sie führte ein sehr aufschlussreiches Interview mit der Linguistik-Professorin Carolin Müller-Spitzer (ab S. 46). So erfuhren wir auch, dass der Doppelpunkt, der sich immer mehr etabliert und den auch wir in der internen Redaktionsarbeit benutzen, nicht barrierefreier als der Genderstern ist. Für eine Studie wurden die Vertretungen behinderter Menschen sowie Leute aus den LGBTIQ-Selbstvertretungen befragt mit dem Ergebnis, dass der Stern in digitalen Anwendungen als barrierefreier und gebrauchstauglicher als der Doppelpunkt empfunden wurde. Aus diesem Grund verwenden auch wir ab dieser Ausgabe den Genderstern – jedoch in einer Schreibweise auf Achsenhöhe mit den Kleinbuchstaben, die sich besser ins Schriftbild integriert. Laut Jeanne die „Avantgarde“ der Gender-Sonderzeichen, auch Margarete Stokowski und andere benutzen sie in ihren Büchern.
Und damit sind wir auch beim zweiten großen Teil unseres Dossiers, in dem Avan Amir Weis seine queerfeministische Lesebiografie mit uns teilt und damit die Perspektive einer nicht-binären Person auf die aktuelle Literatur zum Thema einbringt (ab S. 52). Wir haben jedenfalls sehr viel gelernt durch dieses Dossier und darum geht es uns: offen zu sein für Veränderungen, denn Sprache erschafft die Bilder und Ideen, die wir uns selbst erzählen. Deshalb lassen wir auch weiterhin unseren vielen freien Autor*innen in ihren Beiträgen die Freiheit, ihre Sprache selbst zu wählen.
Herzlich, Tina Schraml
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